24C3: Tor für das Überwachungsflag

Dezember 28th, 2007

Gestern Nacht noch ne halbe Stunde einfach ziellos in Berlin rumgefahren, unter den maßlos illuminierten Linden drunter durch und dann am Sageclub vorbei, nachts halb drei, am Donnerstag, immer noch mit Menschentraube davor. Metropole.

Vorher gabs den ersten Tag des 24. Chaos Communication Congress, für mich mit Vorträgen über den Bundestrojaner (my ass), das Tor und die Wahlmaschinen. Beim ersten gabs nicht viel neue Erkenntnisse, beim letzteren nur, dass ich gern auch mal wieder Wahlhelfer machen will.

Der Vortrag über den Umgang des CCC mit seiner Tor-Infrastruktur war sehr angenehm, vor allem wegen RA Julius Mittenzwei. Alle Anwälte, mit denen ich bisher näher zu tun hatte, waren mir sympathisch, und bei Dr. Mittenzwei schien das aus der Entfernung genauso. Wahrscheinlich ist es diese stoische Ruhe, die solche Leute auch noch dann emittieren, wenn man selber schon lauter Flecken vor Gram bekommt. Neben dem Respekt und Anerkennung für die wichtige Arbeit, die da getan wird, kam dann — leider etwas kurz — die Frage nach dem Strafverfolgerflag. Und Julius ist dafür, auch in Tor. Vermutlich hätte die Luft gebrannt, wenn padeluun oder Rüdi im Saal gewesen wären. Ich erinnere mich mit Grauen an das rhetorische Massaker, was vor allem Rüdi vor vier Jahren mit Freund nulli angerichtet hatte, als der auf dem Podium die Entwicklung von JAP (damals noch AN.ON) darstellte. Sicherlich ging es damals auch um das etwas merkwürdige Prozedere, mit der das Flag von der Gruppe Pfitzmann eingeführt wurde, aber die Grundstimmung ging ganz klar contra jegliche Staatsschnittstelle.

Die Argumentation ist einfach: Strafverfolgungsflag rein, Angriffsfläche gegen Tor raus. Natürlich nur für eine abgeschlossene Liste von Katalogstraftaten und nur mit Richtervorbehalt. Unabhängig davon will man keine Straftäter decken, dass hat Vorstand Andreas Lehner bei der Gelegenheit auch nochmal zitierfreundlich rausgestellt. Ich selbst bin da uneins mit mir. Einerseits vertraue ich noch unserer Judikative (und einigem mehr), andererseits weiss ich, dass Möglichkeiten genutzt werden, wenn sie da sind. Keine Möglichkeit, keine Nutzung. Und natürlich lässt sich das in einem internationalen Community-Projekt wie Tor technisch vermutlich gar nicht umsetzen. Schwierige Debatte, ich wünsche mir diese etwas konzentrierter auf den Datenspuren 2008, die gerade in den Anfängen der Planung sind.

In der Nacht hab ich dann noch das Ende von einer sehr bemerkenswerten Performance von Herrn Grenzfurthner gehört, in der es um die Abbildung von Computern in Pop ging. Dort hat er zu meiner Überaschung auch Kimya Dawson zitiert, die ich recht gerne mag und mal in der Scheune und im Starclub gesehen hab. Zum Schluß gabs Euro-Trash und dazu eine Laola-Welle im großen Saal des BCC. Weird weird world.

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