Moneybrother, Beatpol Dresden

Von: mechko

Komischer Name, dachte ich früher. Großartiges Konzert nun heute, nachdem ich gestern dem Tourauftakt hier im Dresdner Beatpol beiwohnen durfte. Es war mein erstes Konzert von Moneybrother (eigentlich Anders Olof Wendin), und nach einer sehr enttäuschenden Performance meines letzten Konzertbesuchs (Archive, Oktober im Alten Schlachthof) wurden hier alle Erwartungen erfüllt: Entertainment, Performance, originelles Livearrangement, Handwerk, Charm, 1a-Setlist. Ich bin seit einigen Jahren Moneybrother-Fanboi und wollte mich bestätigt wissen, was auf ganzer Linie gelungen ist.

Foto: bhrgero bei flickr, Lizenz: cc by-nc-sa

Foto: bhrgero bei flickr, Lizenz: cc by-nc-sa

Zunächst fiel die etwas merkwürdige Organisation der Bühne auf: Da saßen links zunächst zwei Keyboarder hintereinander, vorn jung, bemützt und stark in den Backgroundvocals, hinten alt, ebenfalls bemützt und mit offensichtlichen Problemen beim Background, was nun aber akustisch auf Grund der anderen Aktivisten nicht weiter störte. Der Alte Mann an der Hammond wirkte allerdings auch dadurch wie zugekauft, der Tourorganist eben. Der Tastenmann vorne ist allerdings nicht nur für diese zuständig, sondern spielt auch noch das Moneybrother-Trademark-Saxophon (überhaupt nicht nervend, schön die 80er zu Hause gelassen, angenehm flächig in den Tiefen) und Querflöte.

Der Chef in der Mitte, mit Akustikgitarre, großem Einsatz und eisenstarker Stimme, den bekannt bunten Armen, sehnig und gesund, energetisch, kraftvoll, seinen bald 35 Jahren aber angemessen, authentisch. Wenn doch mal zur E-Gitarre gegriffen wird, dann aber gleich mit der großen Rockgeste, und selbst die wirkt nicht wie gelernt, sondern ist ganz klar angeboren. Kommunikation mit dem Publikum ist ihm offenbar sehr wichtig, und hier ist das keine Marketingphrase.

Die rechte Seite mit dem dünnen Bassgitarristen (bekannt aus manchem Video), ebenfalls ganz vorn beim Chor, der diese Band so besonders macht, gleichzeitig schräg und schnurgerade. Der spielt auch echt mal einen lockeren Bass, der läuft da ganz unaufgeregt mit, ohne aber den Funk oder gar den Groove zu vergessen. Sehr tight, sehr sympathisch.

Hinter dem Bassmann dann der Subgitarrist, ohne den der Brother vorne am Lead mit seiner eher homöopathischen Drahtharfe sicher nicht so ein Feuerwerk bezüglich Gesang und Bewegung abbrennen könnte. Der muss dann den Teppich legen oder auch mal die Singlenote draufpacken. Wirkt auch ein bisschen wie zugekauft, macht mir aber nichts.

Schließlich der Drummer, mit modernem Minimal-Drumset (2 Becken und Toms, Hihat, Snare, Bass, fertig). Er wiederum auch echt schlagkräftig bei den Backgroundvocals, und bei beiden Gewerken mit sehr solidem Handwerk. Gehört ganz klar auch zur Kernband, die kennen sich ewig und das macht ein richtig gutes Gefühl.

Das Set wird eröffnet mit Born Under a Bad Sign, dem Hit vom aktuellen Album Real Control, und obwohl das natürlich irgendwie so muss, bin ich etwas besorgt. Denn ich hatte keine Lust auf reine Promotion für dieses (in meinen Augen) schwächere Werk, sondern wesentlich mehr Bedarf nach Tracks von Mount Pleasure, dem vorletzten internationalem Album, mein Soundtrack gleich für zwei Sommer.

Aber die Sorge war unbegründet. Moneybrother selbst drückt das so aus: “We gonna play some newer songs, we gonna play some older songs, but first of all, we gonna play some good songs”. Right, they did. Wendin geht gleich von 0 auf die 100 und legt von Anfang an eine unbändige Spielfreude an den Tag. Der wollte diese Tour, dem hat das gefehlt, der braucht das.

Es folgt eine Mischung seiner Diskografie, vornehmlich Nummern aus den letzten beiden Alben. Wobei man sagen muss, dass selbst die schwächeren Stücke durch ein originelles Livearrangement hier gegenüber dem Album sehr gewinnen. Und wenn nur der C-Teil statt 8 auf einmal 32 Takte hat, um den Spannungsbogen nochmal zu dehnen, selbst diese platten Tricks wirken. Mich jedenfalls, als Popelse mit einfachem Gemüt, kann man mit sowas ganz leicht kriegen. Bei anderen modernen Bands darf man selbst solche Kleinigkeiten nicht erwarten, da wird einfach das Album in perfekter Kopie durchgenudelt und fertig. Schon allein deshalb, weil sonst die vier großflächigen Videoprojektionen neben, über und hinter der Bühne out of sync laufen würden. Ekelhaft.

In der Mitte des Sets ein Höhepunkt mit Blow Him Back Into My Arms. Der Song kommt von To Die Alone, und ist dort der Ausnahme-Hit. Das zugehörige Video ist angemessen großartig. Meine Geschichte dazu geht so: Durch ein Cover von Wir Sind Helden dieses Songs bei einem FM4-Konzert bin ich überhaupt erst auf Moneybrother als großartigen Künstler aufmerksam geworden (die Kommentare in verschiedenen Webplattformen zeigen, dass ich damit nicht alleine bin). Blow Him Back Into My Arms gestern also mittig im Set platziert, und bei zwei Keyboardern auf der Bühne geht man zunächst von keinen großen Überraschungen bezüglich des Arrangements aus. Gerade die Orgel-Passage macht den Song in der Album-Produktion genau zu dem, was er ist. Der Alte Mann vor seinem Lesli-Kabinett wäre gestern eigentlich genau hier dran gewesen, ich hörte schon den Motor des mechanischen Rotary hochdrehen. Aber zu meiner Überraschung gibt es hier keine Orgel, stattdessen holt der Keyboarder und Multiinstrumentalist vorne die Querflöte raus, gibt der Passage eine nochmal ganz eigene Note und liefert so richtig gut ab.

Das Set vergeht wie im Fluge und hat tatsächlich keine Längen. Auch das hatte ich auf einem Livekonzert lange nicht mehr. Am Ende kommt nochmal der Erstling Blood Panic zum Zuge: It’s Been Hurting All The Way With You Joanna wird zunächst ohne Wendin gesungen, dafür dürfen die Backgrounder vorne jeder eine Strophe singen, ein großartiger, familiärer Moment.

Nach anderthalb Stunden Wahnsinn auf der Bühne und zwei Zugaben fahre ich dann erfüllt nach Hause.

Der Beatpol qualifizierte sich erneut als gute Location, Abstriche nur beim Sound (durch die Größe mir immer etwas zu hallenartig, diesmal aber tatsächlich nicht zu laut, Glück gehabt, ich erinnere mich mit Schrecken an ein Motorpsycho-Konzert dort, mit gefühlten 180dB). Weiterhin ist die Raucherregelung echt für den Eimer (nur ganz draußen unter freiem Himmel: bei 2 Grad und Regen eine ganz besondere Freude, man könnte dem Betreiber schon fast sadistische Motive unterstellen). Rocknroll sieht einfach anders aus. Ansonsten das Flensburger für Einsfünfzig, das geht wirklich in Ordnung.

Ein gelungener Abend also, dessen Magie Wendin selbst immer wieder beschwört. Dies sei der erste Tag einer langen und anstrengenden Tour, aber er schwöre: Es wird der beste Abend bleiben.

Add comment Dezember 2nd, 2009

(Die BMX-Bande)²

Von: rob

“Die BMX-Bande” zählte ja ganz klar zu den Lieblingsfilmen meiner Jugend. Und noch heute, wenn es mich packt, springe ich gerne mal mit dem Fahrrad von der Bordsteinkante, reise dazu den Lenker in die Höhe, um anschließend mit dem Hinterrad sanft aufzusetzen.  Doch was der BMX-Fahrer in diesem Video anstellt, geht noch ein ganzes Stück weiter, schaut selbst! … was mit neuwertigem Hightech-Material alles möglich ist… PJ, Goose und Judy wären neidisch.

1 comment November 14th, 2009

Was sind das bloß für Menschen?

Von: mechko

Irgendwas war merkwürdig heute Morgen, als ich wie immer mit meinem Sohn das Haus in Richtung Kinderladen verließ. Die Luft war klar, die Sonne schien, doch es roch. Wir sahen uns an und hatten beide ein ungutes Gefühl. Zu Recht.



Mind the gap!

Wir standen in einer Benzinlache vor meinem Moped (nicht einfach nur ein profanes Mittel zum Fortkommen, nein, ein Liebhaberstück, was selbst die Blicke der Reichen und Schönen regelmäßig auf sich zieht: Simson Star SR4-2). Ich musste nach einer Schocksekunde verstört feststellen, dass jemand in der Nacht den Benzinfilter im Wert von Einsfünfzig mit einer Gartenschere aus dem Benzinschlauch geschnitten und anschließend den Benzinhahn aufgedreht hat. 3-4 Liter Gemisch haben sich daraufhin fröhlich auf den Fußweg ergossen (Glück im Unglück: Dem Täter fehlte selbst das intellektuelle Inventar, um die Reserve-Stellung am Benzinhahn als solche zu erkennen, sonst wäre noch mal ein Literchen mehr auf die Straße geplätschert).

Ein Akt der Barbarei und unvergleichlicher Niedertracht, dessen Motivation mir vollständig unklar bleibt. Was sind das bloß für Menschen?

Nachtrag: Die herbeigerufene Polizei weigerte sich natürlich, sofort eine Ringfahndung nach den Tätern einzuleiten. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat vermutlich auch gerade andere Sorgen, mit zugegeben weitaus größeren Mengen vernichtetem Treibstoff…

Add comment Oktober 30th, 2009

Brief an MdB Marlies Volkmer (SPD)

Von: mechko

Sehr geehrte Frau Dr. Volkmer,

ich schreibe Ihnen heute als sehr enttäuschter Dresdner Bürger bezüglich
Ihres Abstimmungsverhalten zum Gesetz zur Einführung einer
Zensurinfrastruktur. Sie haben damit einen entscheidenden Beitrag dazu
geleistet, dass sich unser Land einen großen Schritt von seinem
demokratischen Selbstverständnis entfernt, und sich in Fragen der
Internetzensur nun formal in einer Reihe mit Ländern wie China oder dem
Iran wiederfindet.

Diese Entscheidung hat eine historische Dimension, und wenigstens ich
werde nicht vergessen, dass Sie gestern zusammen mit der CDU und CSU
einen wichtigen Teil unserer Grundrechte abgeschafft haben. Genau diese
Wahrheit werde ich genauso auch meinen Kindern vermitteln.

Mit der Hoffnung, dass selbst der SPD irgendwann die Tragweite ihrer
Entscheidung bewusst wird und in großer Trauer um Artikel 5 GG,

Mirko Swillus

2 comments Juni 19th, 2009

Wikileaks.de: 2 Jever auf Verpeilung

Von: mechko

Da gerade tausendfach Spekulationen zur Ursache des aktuellen Transit-Mode von wikileaks.de auftauchen: Ich gehe all in und setze zwei Jever auf Verpeilung. Nämlich darauf, das der Dresdner Domain-Inhaber erstens die Zahlung verpeilt hat, und anschließend auflaufende Mahnungen und das Kündigungsschreiben verkramt oder ignoriert hat. Ich garantiere dabei, keinerlei Kenntnis über die Faktenlage zu haben.

Falls ich damit richtig liege, würde ich das morphium auch nicht zum Vorwurf machen, sowas passiert halt. Meine Sympathien für sein Engagement in dieser und in anderer Sache (auch im Rahmen des C3D2) würden dadurch in keiner Weise geschmälert. Außerdem ist diese Transit-Geschichte für mich nur eine Randnotiz (von daher sei der zynische Unterton dieses Artikels entschuldigt). Viel wichtiger ist doch jetzt, dass ihm aus dem Ermittlungsverfahren keine derben Nachteile entstehen, und dass er sich dafür nochmal nach starken Verbündeten umschaut, die auch das finanzielle Risiko durch wirksame Spendenaufrufe etwas minimieren können.

Add comment April 14th, 2009

Trotz Finanzkrise: Sonne wendet sich

Von: rob

Sternwarte Husum Gestern hat die Sonne wie geplant den tiefsten Stand erreicht, und damit erfolgreich die Wintersonnenwende absolviert. Dazu Astronom K. Meier “Es sieht so aus, als ob die Sonnenwende ganz normal geklappt hat -wie in den letzten 30 Milliarden Jahren auch”. Wie es dazu trotz Finanzkrise kommen konnte, ist momentan völlig unklar. Medienvertreter von Sendeanstalten und  von verschiedenen Zeitungsverlagen zeigten sich überrascht und meldeten Zweifel an, dass die Tage ab heute wieder automatisch heller und länger werden könnten (ddd).

Add comment Dezember 22nd, 2008

Wir nennen es: Tranzparenz im Kundengespräch

Von: mo

Add comment Dezember 14th, 2008

“GEMA kassiert auch für Nicht-Mitglieder”

Von: mo

via openmusiccontest, dem korrekten Musikaward für CreativCommons lizenzierte Musik des Astas der Uni Marburg, bei dem auch meine Band THE DOTS gelegentlich gewinnt, sah ich soeben:

Verwaltungsfehler: GEMA kassiert auch für Nicht-Mitglieder

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) stellte dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Philipps-Universität Marburg Gebühren für ein Musikstück in Rechnung, das nachweislich GEMA-frei ist. Vermutlich handelt es sich um eine Namensverwechslung. “Es ist nicht auszuschließen, dass die GEMA auch in anderen Fällen Geld für Werke eingezogen hat, für die sie gar nicht zuständig ist,” so Meik Michalke, Initiator des OpenMusicContest (OMC).

ganze Pressemitteilung bei OMC

Add comment Oktober 14th, 2008

Put on your Öko dancing-shoes

Von: mo

Stop mal: Öko & Disko – das soll zusammen passen? fragt sich der gemeine Leser beim Lesen dieses Spiegelartikels. Ja, solle es. Laut Spiegel gibt es ’seit neustem’ in Rotterdam einen Club, dessen Haupt – USP seine Ökoverträglichkeit ist, und neben noch halbwegs brauchbaren Sachen wie Mehrweggläser und Verzicht auf Flyer (Papierverbrauch!) werben sie vorallem mit dem in den Tanzboden integrierten Aktoren die durch die tanzenden Umweltfreunde Stom erzeugen sollen. “Fast ein Drittel des Stroms, den die DJ-Bühne verbraucht, sollen die Tänzer als “menschliche Energieerzeuger” liefern.“, so so.
Mal überlegen: wir haben da
- zwei Techniks 1210: 30Watt
- 1 x DJ Mixer 50 Watt
- 1 x DJ Beleuchtung 100 Watt
davon ein Drittel: macht 60 Watt!
Juhuu, nach 16,6 Stunden Tanzen hat die Meute 1 Kilowattstunde ‘ertanzt’. Allerdings nur wenn niemand von den 2000 Leute die in den Club passen, an der Bar steht und Bier trinkt oder sich unterhält. Das erinnert uns doch an die in regelmässigen Abständen in der Presse herumgeisternden Schuhe die Strom erzeugen, auch so eine schlecht vermarktbare Ökoidee. Ob das die niederländischen Privatinvestoren, die diesen Club mit “Millionen” aufgebaut haben geahnt haben?

Add comment September 5th, 2008

Angelika will jetzt Money

Von: rob

Am Tag zehn nachdem ich am Telefon einer netten Frau meine Adresse gesagt habe:
(weiterlesen…)

Add comment August 23rd, 2008

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